Prinzipien des Assessment Centers und Qualitätsstandards

Folgende Prinzipen sollten bei der Erarbeitung eines Assessment Centers (AC) berücksichtigt sein, damit die nötige Qualität gewährleistet ist. Diese Standards dienen auch als Grundlage zur Beurteilung der Qualität eines bestehenden ACs.

Anforderungsorientierung

Die Eignung einer Person kann nur dann bestimmt werden, wenn auch definiert ist, wofür die Person geeignet sein soll (Definition der Stelle und Ableitung von entsprechenden Anforderungen / Kriterien).

Verhaltensorientierung

Das Assessment Center hat zum Ziel, Teilnehmer/innen in ihrem Verhalten zu beobachten und einzuschätzen. Protokollierte Verhaltensbeschreibungen sind das einzige Mittel, um zwischen tatsächlichem Verhalten und Interpretationen zu unterscheiden.

Kontrollierte Subjektivität

Jede Beurteilung beruht auf subjektiven Erkenntnissen, da es die objektive Wahrheit in der Einschätzung von Personen nicht gibt. Der Einsatz von mehreren Beobachter/innen trägt zu einem ausgewogeneren Gesamtbild bei. Wichtig für die Qualität des ACs ist im weiteren, dass die Beobachter/innen ihre Kompetenz laufend erweitern, zum Beispiel in Beobachtertrainings mit folgenden Zielen:
• Sichere Kenntnis der eingesetzten Aufgaben
• Aktive Einübung des Beobachtungs- und Beurteilungsprozesses
• Bewusstsein für gängige, spontane Wahrnehmungsverzerrungen
• Gegenseitiger Respekt und Unterstützung durch Teambildung

Simulationsprinzip

Verhaltensweisen haben nur dann eine Voraussagekraft für späteren Berufserfolg, wenn sie innerhalb eines realistischen Kontextes beobachtet und beurteilt werden. Idealerweise bildet das AC reale Anforderungen nach.

Transparenzprinzip

Das AC ist so anzulegen, dass alle Beteiligten Grundziel, Ablauf und Bedeutung für den Teilnehmer (z.B. Entscheidungshilfe für Stellenbesetzung) verstehen. Während des Verfahrens werden die Teilnehmer/innen über jede Übungsart informiert. Ziel der Übungsinformation ist es auch, unterschiedliche Wissenshintergründe zwischen den Teilnehmer/innen auszugleichen.

Individualitätsprinzip

Der Teilnehmer oder die Teilnehmerin des ACs erhält eine Rückmeldung über sein Ergebnis. Ziel ist es, dass er / sie diese Informationen für sich selbst nutzen kann. Jeder Beobachter trägt Verantwortung dafür, dass anhand von konkreten, beobachteten Beispielen konstruktive Rückmeldungen gegeben werden können.

Systemprinzip

Ein AC muss gezielt eingebettet sein in das Gesamtsystem der Personal- und Organisationsentwicklung einer Firma / Verwaltung. Wichtig sind dabei insbesondere Vorauswahl von AC-Teilnehmer/innen und nachfolgende Trainingsmassnahmen.

Lernorientierung des ACs

Eine fortlaufende Evaluation und Qualitätskontrolle stellt sicher, dass das Verfahren ständig verbessert wird und dass Wandlungen in der Unternehmung (z.B. neue Märkte oder Organisationsformen) angemessen berücksichtigt werden.

Organisierte Prozesssteuerung

Ein klare Struktur bei der Durchführung des ACs sorgt dafür, dass sich alle Beteiligten voll auf ihre Aufgabe konzentrieren können. Zeitpläne, Beobachtungsbogen oder Beobachtermatrix (wer beobachtet wen bei welcher Übung) sind konkrete Hilfsmittel dazu. Eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei der Moderator / die Moderatorin. Er / sie achtet auf die Qualität des Ablaufes und leitet die Beobachterkonferenzen.

Quelle: Görn, Anja et al.: Assessment-Center als Methode moderner Personalentwicklung, Landau 2002.